„Das ‘T’ in LGBTQ* steht nicht für ”T-Rex’“

Anlässlich des CSDs in Darmstadt und dessen diesjährigen Mottos „Trans* Pride – Du bestimmst nicht mein Geschlecht“ fordern die Jusos Darmstadt die ganz konkrete Verbesserung der juristischen, medizinischen und gesellschaftlichen Situation von Trans*-Personen. Laura Loew, Sprecherin der Jusos Darmstadt, erklärt dazu:

„Nach der Entscheidung für die Ehe für alle scheint sich eine gewisse „Was wollen die denn noch?“-Mentalität bei queeren Anliegen eingestellt zu haben. Der wichtige Schritt der Öffnung der Ehe darf jedoch nicht das Ende einer Politik der Gleichstellung und Gleichberechtigung für Personen aus dem LGBTQ*-Spektrum sein. Noch immer bleibt hier viel zu tun – ganz besonders auch beim Thema Trans*geschlechtlichkeit. Trans*-Personen erfahren nicht nur massive alltägliche Diskriminierung, sondern haben sowohl juristisch wie medizinisch viele Hürden zu überspringen.
Trans*-Personen sind durch die im Transsexuellengesetz (TSG) vorgeschriebene Gutachter*innenpflicht stark von ihren Gutachter*innen und deren Wohlwollen abhängig und müssen sich bei Vornamens- und Personenstandsänderungen auf hohe Kosten bereit machen.
Der Informationsstand über Leistungen durch die Krankenkassen ist mangelhaft, die Wartezeiten für einen Therapieplatz sind lang und auch die Richtlinien für die Therapiedauer vor Hormontherapien oder Operationen schreiben unverhältnismäßig lange Therapiedauern vor.

Wir Jusos Darmstadt fordern, das Transsexuellengesetz abzuschaffen und durch ein neues, modernes Gesetz zu ersetzen. Wir begrüßen den Vorstoß der Bundesfamilienministerin, die dies kürzlich forderte, und hoffen auf eine baldige Umsetzung. Ein neues Gesetz zu Transsexualität muss zuallererst die Abschaffung der Gutachter*innenpflicht beinhalten. Auch die Kosten für Vornamens- und Personenstandsänderungen dürfen nicht über reguläre Verwaltungsgebühren hinausgehen oder sollten vollständig abgeschafft werden. Auch fordern wir, dass nicht nur inter*geschlechtliche Personen die „3. Geschlechtsoption“ auswählen dürfen, sondern alle Personen, die sich nicht als eindeutig männlich oder weiblich verstehen, darunter auch Personen aus der Trans*Community. Wir fordern zudem Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber*innen und Organisationen auf, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, Personen nicht unter ihrem juristischen Geschlecht und Namen zu führen, sondern unter dem von ihnen gewählten.

Die Informationsmöglichkeiten für Trans*-Personen über ihre Behandlungsoptionen, die damit verbundenen Kosten und die Erstattungsmöglichkeiten müssen verbessert werden – hier sind sowohl das Gesundheitsministerium als auch die Krankenkassen in der Bringschuld. Ebenfalls müssen die verpflichtenden Therapiezeiten vor Hormontherapien oder Operationen angepasst werden. Behandlungsrichtlinien sollen auch als solche betrachtet und nicht als Verpflichtung aufgefasst werden. Zuletzt fordern wir in der Bildungsarbeit eine Doppelstrategie, um gesellschaftlicher Diskriminierung vorzubeugen: Einerseits muss das Aufklärungs- und Bildungsangebot in Schulen verstärkt werden, andererseits sind Beratungs- und Selbsthilfeangebote für Trans*-Personen unverzichtbar. Hier sollte vor allem auch in der Jugendarbeit ein Fokus gelegt werden, zum Beispiel mit der Errichtung von auf LGBTQ*-Personen fokussierten Jugendzentren.

Es muss endlich Schluss sein mit der Diskriminierung von Trans*-Personen auf rechtlicher, medizinischer und gesellschaftlicher Ebene!“

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