25.11.2011
Sozialismus in Lateinamerika – mit diesem Thema haben sich die Darmstädter Jungsozialistinnen und Jungsozialisten am 21.11.2011 auf ihrer Vorstandssitzung beschäftigt. Schließlich ist hinlänglich bekannt, dass es im südlichen Teil Amerikas einen „Linksruck“ gegeben hat und die Politik dort vielleicht schon fortschrittlicher agiert als im schnöden, konservativen Europa. Andererseits passen Berichte über Armut in einzelnen Staaten, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen oder Kriminalität nicht in unsere Vorstellungen und Ideale, die ein sozialistisches Gesellschaftssystem mit sich bringt.
Um unsere etwas chaotischen Gedanken zu ordnen, haben wir mit Dr. Jonas Wolff von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) einen Lateinamerikaexperten eingeladen. So wurde uns kompetent und verständlich ein historischer und auch politikwissenschaftlicher Überblick über die dortige Situation verschafft. Zwar sind die südamerikanischen Länder noch heterogener als die europäischen. Allgemein hat die Region dort einen ähnlichen und gerade aus Juso-Sicht eindrucksvollen Weg hingelegt. Befreit aus den Klauen brutaler Militärdiktatoren folgte eine Phase des Neoliberalismus in seiner extremen Form, die zu einem wesentlichen Teil von westlichen Staaten und Institutionen aufgezwungen wurde. Wie Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wissen und mittlerweile auch breite Bevölkerungsmehrheiten ahnen, ist dieses Projekt ein zum Scheitern verurteiltes. Folgerichtig setzte ein zweiter Transformationsprozess ein, der die sogenannte „doppelte Transformation“ abschloss und von Land zu Land unterschiedlich entweder reformistisch oder revolutionär verlief. Seitdem geht es mit der gesamten Region Lateinamerika wieder bergauf. Vor allem im Bereich der Armutsbekämpfung sind deutliche Fortschritte zu verbuchen, die Regierungen agieren selbstbewusst und nur von ihrem Wahlvolk abhängig. Selbst die Bertelsmann-Stiftung beurteilt alle südamerikanischen Staaten – mit der klaren Ausnahme Kubas und der nach Auffassung unseres Referenten fragwürdigen Ausnahme Venezuelas – als demokratisch. Viele Probleme, die wir in Deutschland aus den Medien erfahren, sind also kein Produkt des Sozialismus, sondern Altlasten aus den Phasen der Militärdiktaturen und des Neoliberalismus. Es ist schön zu wissen, dass es Alternativen zum Finanzmarktkapitalismus gibt.
Wir möchten dieses Thema weiter vertiefen und werden auf unserer ersten Sitzung im neuen Jahr, am 09.01.2012 um 20:00 Uhr im Juso-Heim, einen weiteren Gast bei uns haben. Marie Heinelt von der TU Darmstadt referiert zum Thema „Die neue Linke in Lateinamerika“. Wir freuen uns natürlich immer wieder, bei dem Vortrag und der anschließenden Diskussion auch neue Gesichter begrüßen zu dürfen.