Schlagwort: Bildung

Februar 21, 2018 Jusos Darmstadt No comments exist

56 Millionen, 70 Millionen, 84 Millionen Euro. So wuchsen die Kostenprognosen für das
Berufsschulzentrum Nord in den letzten Jahren, und die neueste Prognose weist auf einen weiteren Anstieg auf etwa 100 Millionen Euro hin.
Der Prozess um die Renovierung des Schulkomplexes zieht sich bereits seit 2009. Zunächst wollte die Stadt das Projekt gemeinsam mit einem privaten
Investor angehen, dieser Vorschlag wurde schlussendlich jedoch abgelehnt. Die Kosten dieser Methode hätten sich auf 70 Millionen Euro belaufen. Seit dem ist die Stadt selbst für die Renovierung verantwortlich¹. Aber wuchsen mit den Kosten und den sich ziehenden Jahren auch die guten Ideen der Stadt für eine Renovierung des Schulkomplexes im Bürgerpark?

Im November letzten Jahres hatte das städtische Immobilienmanagement IDA den rechnerischen Nachweis geführt, dass alle Schülerinnen und Schüler in den bestehenden Gebäuden unterzubringen
sein. Jedoch wäre die Unterbringung der Schülerinnen und Schüler nur mit einer Ausdehnung der Unterrichtszeit bis 19 Uhr möglich gewesen. Dem Darmstädter Echo sagte die Leiterin der Martin-Behaim-Schule, dass diese nicht machbar sei, weil weder Schülerinnen und Schüler noch
Lehrerinnen und Lehrer ganztägig verfügbar seien. Da auch das Schulamt zu dieser Erkenntnis gekommen war, wurde die Grenze nun nach der zehnten Stunde gezogen, was einen Unterrichtstag bis 16:45 Uhr bedeuten kann. Zwar wird damit verhindert, dass die Schülerinnen und Schüler bis in den späten Abend in der Schule sitzen müssen, allerdings bleibt es fraglich, ob ein konzentriertes
schulisches Arbeiten im Umfeld einer Baustelle möglich ist. Um besonders Störungen während den Klausuren vorzubeugen, wollen die Schulleitungen den Bauverantwortlichen zu Beginn der Halbjahre die Prüfungstermine vorlegen, um zumindest in dieser wichtigen Phase einen störungsfreien Schulablauf gewährleisten zu können².

Die Interimsplaner und -planerinnen haben noch mit einer Unterrichtsdauer bis nach der 12. Stunde geplant und sind von einer Vollauslastung der Räume ausgegangen. Nicht nur wurde mit Blick auf das Wohl der Schülerinnen und Schüler der Unterricht nun auf 16:45 Uhr begrenzt, auch kann man in
der Realität bei der Nutzung von Räumlichkeiten nie mit der absoluten Auslastung von 100% rechnen. Die Nichtberücksichtigung dieser beiden Faktoren sorgte dafür, dass zusätzliche Gebäude von den Planerinnen und Planern nicht als nötig angesehen wurden. Laut dem Schulleiter der Friedrich-List-Schule, Norbert Leist, sei ein solches Ausweichquartier jedoch unumgänglich, wie er dem Echo mitteilte. Bei dieser Auslastung und Stundenzahl würden jedoch 37 Räume fehlen, erklärte Stefanie Jacobi, die Leiterin der Martin-Behaim-Schule, dem Darmstädter Echo. Bis Februar soll nun das Schulamt eine Lösung für dieses Problem ausarbeiten³.

Eine Einrichtung von zusätzlichen Räumen war Ende des letzten Jahres jedoch von Schuldezernent und Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) nicht gewünscht gewesen. Nun besteht allerdings die Notwendigkeit, eine Ausweichmöglichkeit zu schaffen. Anstelle der Angst vor weiteren Kostensteigerungen und der Überschreitung der Marke von 100 Millionen Euro muss nun das Wohl der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund stehen! Wenn zuvor Kostenerhöhung wegen Fehlern in der Planung in Kauf genommen wurde, muss die Stadt nun auch bereit sein in konkrete Verbesserungen zu investieren. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten für ein Ausweichgebäude im Vergleich zu den bisherigen eher gering wären. Bernd Neis von der IDA sagte gegenüber dem
Darmstädter Echo, dass es nicht am Geld scheitern solle und auch höhere Kosten finanzierbar seien⁴.

Im Jahr 2012 kam dem aus CDU und Grünen bestehende Magistrat dazu noch der Einfall, für den Parkplatz Nordbad, auf dem die aus ganz Hessen und darüber hinaus anreisenden Schülerinnen und Schüler des Berufsschulzentrums ihre Autos abstellen, Parkgebühren zu erheben. Damals wurde auf diese Finanzierungsmethode auf Grund von Protesten verzichtet. Für das
Haushaltssicherungskonzept 2018 ist sie bei den Einzelmaßnahmen wieder geplant. Bei dem unzureichend ausgebauten Nahverkehr - vor allem im Odenwaldkreis - stellt das die Lehrenden und Lernenden immer noch vor die Wahl, sehr lange An- und Abfahrtszeiten in Kauf zu nehmen, oder täglich neben den Benzinkosten auch noch Parkgebühren von ihren Ausbildungsvergütungen finanzieren zu müssen⁵.

Mit den gesteigerten Kosten für die Renovierung des Berufsschulzentrums wuchs leider keineswegs auch die Qualität der Ideen der Stadt für den Umbau. Es wird deutlich, dass es den Verantwortlichen nicht darum geht zum Wohl der Schülerinnen und Schüler zu handeln, sondern die Kosten möglichst gering zu halten. Dass dieser Plan nach hinten losgegangen ist, zeigen die vorgestellten Zahlen. Sich in der Konsequenz nicht nur zu weigern, eine vergleichsweise geringe Summe in die Hand zu nehmen um die für beide Seiten akzeptable Lösung eines Interimsbaus zu finanzieren, sondern vor allem Lernende zusätzlich noch zu belasten, indem man Parkplatzgebühren erhebt, zeugt von einer besonderen Fahrlässigkeit und Kurzsichtigkeit der Verantwortlichen.

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1 http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/darmstadt-kosten-fuer-berufsschulzentrum-nord-liegen-schon-bei-84-millionen-euro_18240096.htm
http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/weitere-kostensteigerung-wird-bekannt-fast-100-millionen-fuer-berufsschulzentrum-nord_18304210.htm
http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/berufsschulzentrum-nord-schulleiter-stellen-sanierung-infrage_17377790.htm

2 http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/sanierung-des-darmstaedter-berufsschulzentrums-nord-beginnt-im-sommer-2018_18386732.htm
3 http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/sanierung-des-darmstaedter-berufsschulzentrums-nord-beginnt-im-sommer-2018_18386732.htm
4 http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/stadt-rechnet-mit-hoeheren-kosten_18189414.htm
5 https://darmstadt.more-rubin1.de/beschluesse_details.php?vid=181603100099&nid=ni_2012-Mag-284&status=1&suchbegriffe=nordbad+parkplatz&select_koerperschaft=WD&select_gremium=&d

https://darmstadt.more-rubin1.de/beschluesse_details.php?vid=292111100411&nid=ni_2017-Stavo-125&status=1&suchbegriffe=Haushalt&select_koerperschaft=WD&select_gremium=&datum_von=11.01.2006&datum_bis=11.12.2018&richtung=ASC&entry=&kriterium=be

August 2, 2017 Jusos Darmstadt No comments exist

Zentrale Herausforderung bei Bildung, Arbeit, Rente und Wohnen.
Teilnehmer/innen der Podiumsdiskussion:
• Horst Raupp DGB-Regionssekretär
• Klaus Armbruster Geschäftsführer GEW Südhessen
• Margit Heilmann Geschäftsführerin Mieterbund Darmstadt
• Vertreterin / Vertreter des VDKs